Technologische Fähigkeiten sind in Europa ungleich verteilt. Genau darin liegt eine Chance, wenn Regionen ihre Kompetenzen verbinden. Das Annual I3 Instrument Forum 2026 richtet den Blick auf eine Frage, die für die Wettbewerbsfähigkeit des Südlichen Oberrheins relevant ist. Wirkung entsteht dort, wo aus einzelnen Projekten tragfähige Verbindungen zwischen Forschung, Unternehmen und Märkten werden.
Viele Regionen verfügen über spezialisierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder gewachsene Branchenkompetenzen. Trotzdem bleiben neue Lösungen oft in einzelnen Projekten, Institutionen oder regionalen Grenzen stecken. Das Problem liegt dann weniger in fehlenden Ideen als in fehlenden Verbindungen. Eine Technologie kann funktionieren und ein Projekt kann überzeugende Ergebnisse liefern. Damit daraus wirtschaftliche Wirkung entsteht, braucht es weitere Akteure, ergänzende Fähigkeiten und Zugang zu größeren Wertschöpfungszusammenhängen.
Genau an diesem Punkt setzt das Annual I3 Instrument Forum 2026 an. Die Veranstaltung der European Innovation Council and SMEs Executive Agency und der Europäischen Kommission fand am 1. Oktober 2026 in Brüssel statt. Im Mittelpunkt standen interregionale Innovationsinvestitionen, europäische Wertschöpfungsketten und die Frage, wie regionale Innovationsfähigkeit über Zusammenarbeit gestärkt werden kann.
Das ist mehr als eine Diskussion über Förderinstrumente. Im Kern geht es um ein anderes Verständnis von Standortentwicklung. Die Stärke einer Region hängt danach nicht allein davon ab, welche Kompetenzen vor Ort vorhanden sind. Entscheidend ist ebenso, ob diese Kompetenzen Anschluss an passende Partner, Märkte und weitere Regionen finden.
Ein Standort ist so stark wie seine Verbindungen
Das Forum betrachtet Forschung, Unternehmen, öffentliche Akteure und regionale Strukturen als Teile eines gemeinsamen Systems. Diese Perspektive ist relevant, weil wirtschaftliche Entwicklung selten innerhalb einer einzigen Organisation entsteht. Forschung liefert Wissen, Unternehmen übersetzen es in Anwendungen, öffentliche Akteure schaffen Rahmenbedingungen und regionale Netzwerke bringen Beziehungen zusammen. Erst im Zusammenspiel kann aus einer Möglichkeit ein Beitrag zu einer Wertschöpfungskette werden.
Interregionale Zusammenarbeit erweitert dabei den Blick auf vorhandene Fähigkeiten. Eine Region muss nicht jede Kompetenz selbst aufbauen, um an einer technologischen oder wirtschaftlichen Entwicklung teilzuhaben. Ihre Stärke kann in einer spezialisierten Forschungseinrichtung, einem leistungsfähigen Mittelstand, einer bestimmten Branche oder einer gewachsenen Infrastruktur liegen. Wert entsteht, wenn diese Spezialisierung mit ergänzenden Fähigkeiten an einem anderen Ort verbunden wird.
Das verändert auch die Bedeutung von Nähe. Räumliche Nähe bleibt für Vertrauen, Austausch und gemeinsame Projekte wichtig. Sie ist jedoch keine ausreichende Voraussetzung für Wirkung. Gerade europäische Wertschöpfungsketten zeigen, dass Wissen, Investitionen und industrielle Kompetenzen über Regionen hinweg zusammenfinden müssen. Dafür braucht es belastbare Beziehungen und Strukturen, die den Übergang von einem regionalen Projekt in einen größeren Zusammenhang ermöglichen.
Für den südlichen Oberrhein ist diese Perspektive besonders anschlussfähig. Die grenznahe Lage verweist unmittelbar auf die Möglichkeit, regionale Kompetenzen über institutionelle und geografische Grenzen hinweg zu verbinden. Daraus folgt kein automatischer Vorteil. Grenzen verschwinden nicht, nur weil Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Akteure ähnliche Ziele verfolgen. Zusammenarbeit muss organisiert werden und einen konkreten wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Zusammenhang haben.
Skalierung beginnt jenseits des einzelnen Projekts
Im Zentrum des Forums stand die Skalierung von Investitionsergebnissen entlang von Wertschöpfungsketten. Damit rückt eine häufig unterschätzte Phase in den Vordergrund. Zwischen einer erfolgreichen Entwicklung und einer breiteren Anwendung liegen weitere Fragen. Wer ergänzt die vorhandene Kompetenz? Welche Region verfügt über den passenden Zugang zu Unternehmen oder Märkten? Welche Akteure können Wissen in einen anderen institutionellen und wirtschaftlichen Kontext übertragen?
Die Antwort liegt nicht in einem einzelnen Projektplan. Skalierung ist eine Beziehungsaufgabe. Sie setzt voraus, dass Beteiligte ihre jeweiligen Rollen verstehen und einen gemeinsamen Zusammenhang erkennen. Forschungseinrichtungen bringen andere Ressourcen ein als kleine und mittlere Unternehmen. Regionale Behörden arbeiten mit anderen Zeithorizonten als Projektkonsortien. Innovationsagenturen und Cluster können Verbindungen unterstützen, ersetzen aber nicht die wirtschaftliche Anwendung.
Gerade für den Mittelstand ist diese Perspektive bedeutsam. Viele Unternehmen verfügen über spezifische Erfahrung und marktnahes Wissen, sind aber in größere europäische Zusammenhänge nicht automatisch eingebunden. Interregionale Investitionen können dort relevant werden, wo komplementäre Partner zusammenfinden und eine vorhandene Lösung in einer breiteren Kette weiterentwickeln. Der Wert entsteht dann aus der Verbindung von Spezialisierung und Reichweite.
Das Forum lenkt den Blick damit weg von der isolierten Bewertung einzelner Ergebnisse. Ein Projekt kann innerhalb seiner Grenzen erfolgreich sein und trotzdem wenig strukturelle Wirkung entfalten. Umgekehrt kann eine Verbindung zwischen mehreren Regionen langfristig wichtiger werden als das einzelne Vorhaben, aus dem sie entstanden ist. Für die Wettbewerbsfähigkeit zählt, ob Wissen und Fähigkeiten weitergegeben, ergänzt und in neue wirtschaftliche Zusammenhänge eingebettet werden.
Genau das zeigt sich auch in der Arbeit mit Gründerteams bei BadenCampus. Eine Lösung gewinnt an Bedeutung, wenn sie auf einen Bedarf trifft, Zugang zu passenden Partnern erhält und in einem Umfeld weiterentwickelt werden kann, das über die erste Anwendung hinausreicht. Der entscheidende Punkt liegt häufig in der Qualität der Verbindung, nicht in der Lautstärke des ursprünglichen Versprechens.
Regionale Innovationsfähigkeit entsteht durch Teilhabe
Besondere Aufmerksamkeit widmete das Forum weniger entwickelten Regionen und Übergangsregionen. Dahinter steht ein Verständnis von Wettbewerbsfähigkeit, das regionale Unterschiede ernst nimmt, ohne sie als dauerhaftes Gefälle festzuschreiben. Wirtschaftliche Stärke konzentriert sich nicht ausschließlich dort, wo bereits große Forschungsstandorte oder besonders viele Unternehmen sitzen. Sie kann wachsen, wenn vorhandene Kompetenzen gezielt in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Regionale Entwicklung wird nicht auf die Ansiedlung einzelner Leuchtturmprojekte reduziert. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, Wissen, Unternehmen und öffentliche Strukturen so miteinander zu verbinden, dass daraus dauerhafte Beteiligung entsteht. Eine Region wird dadurch nicht zur Kopie eines stärkeren Standorts. Sie bringt ihre eigene Spezialisierung in einen größeren Zusammenhang ein.
Für Wissenschaft und Unternehmen verändert sich damit auch die Bedeutung des Transfers. Wissenstransfer ist kein geradliniger Weg von der Forschung in die Wirtschaft. Er verläuft über Übersetzungen, Anpassungen und Beziehungen. Wissenschaftliche Kompetenz muss auf konkrete wirtschaftliche Zusammenhänge treffen. Unternehmen müssen ihre Anforderungen verständlich machen. Öffentliche und regionale Akteure können Räume schaffen, in denen solche Begegnungen überhaupt möglich werden.
Das I3 Instrument macht diese Zusammenarbeit zum Gegenstand von Investitionen. Das ist relevant, weil Netzwerke und gemeinsame Strukturen häufig weniger sichtbar sind als ein neues Produkt oder eine einzelne Technologie. Ihre Wirkung zeigt sich erst über Zeit. Sie erleichtern Zugang, verkürzen Wege zwischen Akteuren und schaffen Voraussetzungen dafür, dass eine regionale Stärke an anderer Stelle anschlussfähig wird.
Damit wird auch die Rolle von Innovationsökosystemen präziser. Ein Ökosystem ist kein loses Nebeneinander von Startups, Forschung, Mittelstand und Verwaltung. Es gewinnt an Bedeutung, wenn zwischen diesen Gruppen konkrete Beziehungen entstehen. Interregionale Zusammenarbeit erweitert dieses System um eine weitere Ebene. Aus regionalen Netzwerken werden Verbindungen zwischen Netzwerken. Erst dadurch können unterschiedliche Kompetenzen entlang europäischer Wertschöpfungsketten zusammenwirken.
Die Zukunft des Instruments ist selbst Teil der Standortfrage
Das Forum markierte zugleich die Halbzeit des I3 Instruments. Neben Erfahrungen aus Projekten ging es deshalb um die Rolle interregionaler Innovationsinvestitionen nach 2027 innerhalb der europäischen Kohäsionspolitik. Diese politische Weiterentwicklung ist eng mit der praktischen Frage verbunden, welche Formen von Zusammenarbeit dauerhaft Wirkung entfalten können.
Die Debatte zeigt, dass Förderpolitik und regionale Innovationsfähigkeit nicht getrennt betrachtet werden können. Förderinstrumente setzen Prioritäten und eröffnen Möglichkeiten. Ihre tatsächliche Wirkung hängt davon ab, ob sie auf tragfähige Beziehungen, passende Kompetenzen und einen realen Bedarf in Wertschöpfungsketten treffen. Ein Instrument schafft noch keine Zusammenarbeit. Es kann aber Bedingungen verbessern, unter denen sie entsteht und Bestand hat.
Für europäische Regionen stellt sich damit eine langfristige Standortfrage. Werden Investitionen vor allem danach bewertet, was innerhalb einer einzelnen Region entsteht, bleiben viele Verbindungen unsichtbar. Wird stärker betrachtet, wie Regionen ihre Fähigkeiten ergänzen, rückt die gemeinsame wirtschaftliche Wirkung in den Mittelpunkt. Das verlangt eine Sichtweise, die Projekte, Institutionen und Grenzen überschreitet, ohne die regionalen Voraussetzungen aus dem Blick zu verlieren.
Der eigentliche Wert interregionaler Kooperation liegt daher in ihrer Fähigkeit, Unterschiede produktiv zu machen. Regionen müssen nicht dieselben Stärken besitzen. Gerade die Kombination verschiedener Kompetenzen kann neue Anwendungen, Märkte und Geschäftsbeziehungen ermöglichen. Dafür braucht es Vertrauen, verlässliche Strukturen und Akteure, die zwischen Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Entwicklung vermitteln können.
Das Annual I3 Instrument Forum 2026 macht damit eine Entwicklung sichtbar, die für den europäischen Innovationsraum weit über ein einzelnes Förderinstrument hinausweist. Wettbewerbsfähigkeit entsteht zunehmend aus der Fähigkeit, Wissen und wirtschaftliche Kompetenzen über Grenzen hinweg zu verbinden. Für den südlichen Oberrhein liegt darin eine konkrete Perspektive. Regionale Stärke zeigt sich dort, wo sie in größere Zusammenhänge hineinwirkt und anderen Kompetenzen Raum gibt, daran anzuknüpfen.
Quelle: European Innovation Council and SMEs Executive Agency (EISMEA) / Europäische Kommission